Sind wir auf dem Mond, oder was?

Vor drei Tagen sind wir in Göreme, ein Städtchen im Herzen von Anatolien angekommen. Diese Region wird auch Kappadokien genannt. Wir sind umgeben von Tuffsteinformationen, unterirdischen Städten und Höhlenkirchen.
Kappadokien ist wie eine Mondlandschaft!

Nun aber die Reise von Kas nach Kappadokien im Detail:
Haben in Kas einige relaxte Tage verbracht. Als wir in das Seglerstädtchen einfuhren, war gerade Markttag. Wir deckten uns mit frischem Gemüse, Obst und Käse ein. Am Campingplatz, der terrassenartig mit Olivenbäumen direkt am Meer angelegt ist, trafen wir viele interessante Leute: Belgier, kommend von Südafrika auf dem Weg nach Hause, Australier auf dem Weg nach Schottland, eine Französin schon 11 Monate unterwegs in Europa – und alle mit Defender oder Landcruiser unterwegs. Es gab viel zu erzählen und interessante Geschichten zu hören.
Nach fünf Tagen war es dann wieder Zeit zum weiterreisen. Über Olympos, einem Backpackerort nach Cirali Beach. Wir standen unter riesigen Pinienbäumen direkt am Strand. In Cirali gibt er viele Pensionen, aber man sieht kein einziges Haus, da eine üppige Pflanzenwelt und herrlich grüne Gärten die Holzbungalows umringen.
Dort trafen wir wieder auf Claus und Rita aus München, ein Pensionistenehepaar aus München, denen wir bereits in Patara begegnet sind. Rita konnte sehr gut Geschichtenerzählen, die Vincent liebte und Claus alberte mit ihm herum. Sie wurden dann kurzerhand zu Oma und Opa umgetauft.

Weiters trafen wir in Cirali zwei französische Familien mit je zwei Kindern, mit denen wir dann weiterreisten.
Nach drei weiteren Tagen Strandurlaub und einem nächtlichen Besuch der Chimaira, ein Felsenfeld aus dem erdgasgespeiste Flammen züngeln, zog es uns nun weg von der Ägäis. Wir wollten ins Landesinnere – ins märchenhafte Kappadokien.
Endlich hatten wir den zähfliesenden Verkehr von Antalya bei 42 Grad ( das haben wir erst später erfahren) hinter uns gelassen und waren auf dem Weg nach Nordosten, leuchtete 20km weiter die ladekontrollampe auf. Eine Minute später ging die Temperatur vom Motor hoch. Wir bleiben stehen. Ich steige mit den Kindern aus. Rette mich in das bisschen Schatten, das eine kleines Gemüseständchen bietet. Auf der anderen Straßenseite ist eine Baustelle. Cello fragt nach einer Werkstatt. Yusuf, der Vorarbeiter wollte uns abschleppen. Er schleppte uns bis zur nächsten Sanay, (in der Türkei sind in jeder größeren Ortschaft alle Autowerkstätten an einem Ort angesiedelt – dies ist der Sanay) in der wir hofften das die Servopumpe die den Geist aufgab vorrätig war. Währenddessen der Werkstattbesitzer versuchte ein Ersatzteil auf zutreiben gingen wir mit Yusuf essen und verbrachten einige witzige Stunden mit ihm. Als es ums bezahlen ging erklärte er uns mit Händen und Füßen, da er ja kein Englisch konnte, dass wir selbstverständlich seine Gäste seien und nicht selbst bezahlen dürfen. Und das nachdem wir ihn von der Arbeit weggeholt und er uns 20 Kilometer durch Antalya geschleppt hat. Das ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie hilfsbereit und überaus nett die Leute hier sind. Würde dir das in Österreich passieren? Ich bin mir nicht sicher. Um 6 Uhr abends ging es dann endlich weiter nach Nordosten. Unser heutiges Ziel war der Egirdir See. Wir fuhren durch eine fabelhafte Berglandschaft. Da die Sonne schon tief stand, wandelte es alles in ein noch schöneres Licht. Am See angekommen stoppten wir noch bei einem Gemüsestand. Der Verkäufer bot uns dann noch seinen Obstgarten, direkt am See zum Übernachten an. Was will man mehr. Trotz der Panne und der Hitze, war es ein unvergesslicher Tag. Die Kinder haben viel geleistet. Sie waren echt brav.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter Richtung Konya. Konya ist die älteste Stadt der Türkei und auch die konservativste. Sie liegt auf 1000 m inmitten der anatolischen Steppe. In Konya tanzen die Derwische, es gibt kaum ein Lokal, das Alkohol ausschenkt und selbst die Muezzins rufen aggressiver zum Gebet als anderswo. Mir gefiel die Stadt von Anfang an. Beim Reinfahren bemerkte man schon die Sauberkeit, die Straßen waren gepflegt, kaum Müll lag herum und es war überraschend grün in der Stadt, wenn man von der kargen Gegend außerhalb kommt. Hier aßen wir bestimmt unser preiswertestes aber dennoch sehr gutes Mittagessen. Wir wollten die örtliche Spezialität das Etli Ekmek ausprobieren. Wir fragten uns nach einer Lokanta durch. Es war ein schlichtes und einfaches Lokal, wie alle Lokantas eben, aber wir freuten uns schon auf das meterlange Brot belegt mit Hackfleisch oder Käse. Als wir eintraten rief jedoch der Muezzin zum Gebet. Der Besitzer machte und klar, dass er schnell in die gegenüberliegende Moschee zum Beten gehen werden und uns anschließend bekochen werden. Gesagt getan, wir besuchten inzwischen ein naheliegendes Museum und kamen zurück. Wir aßen 2 Etli Ekmek, ein Lamacun, 3 Ayran, 1 Cola, Salat und Melone bekamen wir ohne, dass wir es bestellt hatten dazu und zahlten 9 TL, das sind gerade mal 4 Euro.
Wir spazierten noch ein wenig in der Stadt herum, bevor es dann auf einer kerzengeraden Straße (auf der ehemaligen Seidenstraße) zur besterhaltensten Karawanserei Anatoliens ging. Der Sultanhani, übersetzt heißt das Karawanenpalast, hatte ein prächtiges mit Ornamenten geschmücktes Tor. Der Innenhof diente als Stallungen, Lagerräume, Küche, auch ein Moschee gab es dort. Zur Zeit der Karawanen stand eine solcher Hani alle 30 km. Diese Distanz war eine Tagesetappe. Auf der endlosen geraden Straße mit Luftspiegelungen in der Ferne, konnten wir uns es beinahe vorstellen, wie es gewesen sein musste. Wir transportieren keine Seide nach Osten und unser Kamel trinkt mehr Diesel als Wasser, aber egal! Die Nacht verbrachten wir auf dem Campingplatz in Sultanhani.

Am heutigen Tag sollten wir Kappadokien erreichen. Das Tor zu Kappadokien ist die lieblose Stadt Aksaray. Der 3268 Meter hoher schneebedeckter Vukan Hasan Dagi ragt imposant aus der Steppe heraus. Der erste Stopp ist die Ihlara Schlucht. Sie wird auch der „Grand Canyon der Türkei“ genannt. Wir wandern hindurch und besichtigen einige Höhlenkirchen.
Hier treffen wir wieder die Franzosen Janik, Karol, Malo und Eli. Am nächsten Tag gehen wir gemeinsam nach Güzelyurt, um die Unterground City und das Monastery Valley zu besichtigen. Zuvor muss Cello aber noch ins örtliche Krankenhaus, da ihn vor zwei Tagen eine Biene oberhalb des Auges gestochen hatte und die Schwellung einfach nicht weggehen will.
So jetzt sind wir das dritte Mal in einem türkischen Krankenhaus und werden, wie bereit die beiden Male zuvor bestens behandelt. Es ist Sonntag und nichts los. Wir bekommen sogar vom Arzt persönlich Cay und Gebäck offeriert und Cello seine Spritze, damit die Schwellung abheilen kann.
Der erste Krankenhausbesuch war die MuKiPass Untersuchung von Loris in Marmaris. Dort wurden wir von einer Dolmetscherin empfangen und sofort zum Kinderarzt gebracht. Ich glaube, beim Dr. Ganthner hätte ich mit Termin nicht weniger lang gewartet. Die Untersuchung war perfekt und wir bekamen alle Stempel in den Pass. Konnte dann gleich den Abschnitt an die Krankenkasse abschicken.
Eines Tages bemerkte ich an meinem Hals und am Hinterkopf kleine Knötchen. Da sie größer wurden ließ ich sie mal anschauen im Krankenhaus in Kas, das neben dem Campingplatz war. Ein Bluttest ergab keine beunruhigenden Resultate. Jetzt gehen sie aber eh von alleine wieder weg. Wir sind nun alle wieder gesund (waren ja nur Kleinigkeiten)! Hoffe es bleibt so!

So jetzt sind wir schon den dritte Tag in Göreme. Morgens erwandern wir die umliegenden Sehenswürdigkeiten und am Nachmittag genießen wir den Pool am Campingplatz, organisieren unsere weitere Reise, schwatzen mit den Franzosen (jetzt sind wieder beide Familien hier), waschen Wäsche, ….
Jeden Morgen erleben wir ein ganz besonderes Schauspiel mit Logenplatz Dachzelt, dutzende Heißluftballons mit Touristen steigen über den Canyons auf was ein absolut einmaliges Bild ergibt. Man sagte uns, dass es bis zu 130 Ballons wären möglich an einem Tag.
Vorgestern feierten wir den 6. Geburtstag von Malia. Am Abend gab es ein Festessen. Drei Campingtische aneinandergereiht ergab eine fröhliche Tafel. Wir aßen Käsknöpfle (gemacht mit dem Spätzleshaker !!!! von Suanna), gebratene Auberginen, Würstchen und zum Abschluss eine Kokos-Schokotorte!

Viel Mücken, jedem Menge antiker Stätten, zu viel Müll, türkisblaues Meer und massig Ferienhauskolonien

Kurz zusammengefasst sind das unsere Eindrücke der Nordägäis und Teile der Südägäis.
Momentan sind wir auf einem Campingplatz vor den Toren des Dilek Nationalparks. (ca. 100 km nördlich von Bodrum) Im NP gibts 4 herrliche kleine Buchten. Gestern verbrachten wir einen schönen Badetag. Die Pinienbäume reichen bis an den Strand, sodass wir beinahe den ganzen Tag Schatten hatten. Wo findet man solche Plätze? (Hier in der Türkei sind sie sehr rar!)
Wir dümpeln in dieser Gegend schon länger herum, da wir eine Reparatur beim Landrover hatten. Das Achsschenkelbolzenlager vom rechten Vorderreifen musst ausgetauscht werden. Das Ersatzteil gibt’s immer nur paarweise. Daher haben wir beide erneuern lassen. Nun hat der Mechaniker auch auf der linken Seite ein Problem festgestellt. Der Achsschenkel ist hier nicht okay. Also erneut ein Ersatzteil bestellt. Dies sollte heute Montag ankommen und auch noch eingebaut werden.

Aber nun von Anfang an:
Am Freitagabend vor zwei Wochen sind wir aus Istanbul nach Bursa zurückgekommen. Das Wochenende verbrachten wir noch bei Helmut. Geplant war die Weiterfahrt am Dienstag. Das Auto war aber noch nicht fertig und wir machten noch eine Tour zum Uludag, dem Hausberg von Bursa sozusagen. Am Vorabend unserer Abreise aßen wir noch den berühmten Iscender Kebab.
Donnerstags fuhren wir nach Bergamon, am nächsten Tag weiter an die Ägäis, der Küste entlang nach Pamucak (von wo wir Ephesos anschauten) weiter zum Dilek Nationalpark über Söke (Autoreparatur) zum Bafa See. Dann wieder zurück nach Söke und noch mal zum NP.

In der Türkei sind wir noch nie frei gestanden. Das ist durch die massive Verbauung der Küste einfach nicht möglich. Der wirtschaftliche Aufschwung der Westtürkei ist für Küste und Natur sehr schädlich. Die Feriensiedlungen haben gigantische Ausmaße und es werden immer mehr. Der Bauboom ist nicht zu stoppen. Es werden nicht einfach 10 dieselben Häuser gebaut, sondern hunderte. An unverbauten Küstenabschnitten, die für alle zugänglich sind, ist alles vermüllt. Es gibt schon Mülleimer. Leider werden zu zu selten entleert oder zuvor schon von streunenden Katzen und Hunden geplündert. Diese verteilen den Müll dann in der Gegend. Dort wollten wir auch nicht bleiben.
Aus diesen Gründen sind wir auf Campingplätze angewiesen. Ein sehr schönen Platz hatten wir am kilometerlangen Pamucak Sandstrand. Jedoch wurden wir dort von den Mücken heimgesucht. Loris hatte das ganze gesicht voll Stiche und Vincent überall auf dem Körper verteilt. Mücken gibts hier überall. Eine lästige Tatsache!. Am Pamucak Beach waren sie aber besonders aggressiv.

Sehr schön war der Bafa See. Er liegt in Mitten von Olivenhainen, bizarren Felsformationen und antiken Ruinen. Leider war ich dort zwei Halbtage allein mit den Kindern, da Cello in der Werkstatt war. Wir haben uns eine Pension genommen, da das Auto über zwei Tage nicht fahrbereit war. Wir genossen gegrillten Fisch, Oliven mit Käse und Brot und herrliche Sonnenuntergänge.

Nun erhoffen wir uns unter Bodrum und an der Lykischen Küste noch einige gigantische Stellplätze und Stände. Wo sind nur die schönen kleinen Buchten, die wir von Griechenland gewohnt sind und so lieben? Ab Antalya ist es dann auch wieder vorbei mit der Idylle, sagt man!

Den Kids geht’s gut. Die Mückenstiche sind schon wieder am abheilen. Loris isst schon drei Mahlzeiten am Tag. Seit Pfingsten sitzt er auch schon frei, was sehr angenehm für uns ist. So kann er schön auf der Decke spielen, wäre da nicht ein großer Bruder der öfters stört. Er isst jedes Obst das er in die Hand gedrückt bekommt. Angefangen von Äpfel über Melone bis zur Pflaume. Er wird richtig sauer, wenn man ihm etwas aus der Hand nimmt. Bei Vincent sieht die Sache ganz anders aus. Er rührt immer noch kein Obst und nur wenig Gemüse an. Heute versuchte er von sich aus eine kleine Cocktailtomate. Es spuckte und würgte. Es geht einfach nicht für ihn. Schade! Vincent ist schon sehr anstrengend. Er hat noch oft seine Mamaphase. Und gehorchen tut er absolut nicht. Das ist schon sehr sehr nervenaufreibend. Wir müssen sehr streng sein. Er hört erst, wenn man zu schreien beginnt. Er weint sehr oft, weil er sich nicht verstanden fühlt. Einmal will er dies im selben Augenblick schon nicht mehr. Oft ist es einfach zum Verrücktwerden.

Wir wünschen euch allen eine schöne Zeit.
Ihr könnt uns auch auf dem Blog mit News aus dem Ländle beglücken.
Das wäre echt toll.
Liebe Grüße Yvonne und Cello mit Loris und Vincent.